Kritik erwünscht - 06.03.2014

Kritik erwünscht, aber bitte offen, konstruktiv und ehrlich…

Bereits der Präsident des Deutschen Bogensportverbandes 1959 e.V. hat das Problem gleich auf der ersten Seite der DBSV Info des Jahres 2014 konkretisiert: es herrscht ein raues Umgangsklima in Bogensportdeutschland. Da werden Funktionäre wüst beschimpft, Kampfrichter offen angegangen und hinter dem Rücken der anderen Pläne geschmiedet, wie man den anderen am besten absägen kann.

Was zur Hölle ist nur aus der Gesellschaft geworden, frage ich mich? Und das Problem lässt sich leider nicht verharmlosen, mal ganz ehrlich. Denn die Folge sind Rücktritte und Gefährdungen des sogenannten „e.V.“. Das führt zu nichts, außer dazu, dass der gemeine Lästerer bald seinen geliebten Bogensport weder in Verein noch in Verband auf Meisterschaften ausüben kann.

Liebe Bogensportler und Bogensportlerinnen, wenn man Kritik übt, sollte man auf den Ton achten. Es gibt Funktionäre, die haben vergangenes Jahr nahezu für jede Meisterschaft des DBSV Ihre Freizeit hergegeben. Ich will nicht sagen „geopfert“, aber sowas verdient nun einmal größten Respekt.

Lästereien wird es immer geben, das ist nun einmal die menschliche Natur. Wer aber sportlich faire Kritik übt, den anderen freundlich auf einen Fehler hinweist, der wird immer willkommen sein. Wer hingegen hinter dem Rücken des anderen unfair, unsportlich und böswillig agiert, sollte sich immer diese Fragen stellen: Kann ich es wirklich so viel besser? Habe ich mindestens genauso viel Engagement und Durchhaltevermögen? Würde ich überhaupt einen Teil meiner Freizeit für Funktionen im Bogensportzirkus widmen? – Wer auch nur eine dieser Fragen verneint, der sollte sich ernsthafte Gedanken um sein eigenes Verhalten machen.

Denn was will der allgemeine Bogensportler, wenn nicht einfach nur selbst schießen. Prozentual gesehen eigentlich jeder. Und DANN stört auch noch der böse Kampfrichter, wenn man am Pflock steht und sich konzentrieren will.

Aber warum stört die doofe „Rotjacke“ eigentlich? Ist es nur seine strahlend rote Jacke und der bunt geschmückte Hut, den er in der Regel trägt? Oder ist es die eigene Angst, vielleicht doch etwas falsch zu machen, was der Kampfrichter im nächsten Monat moniert? Und das wird passieren, wenn der Kampfrichter gut ist und man tatsächlich einen Fehler gemacht hat… - Und fragen wir uns doch einfach mal ein Stück weiter… Wenn man solche Angst davor hat, worin liegt sie begründet?

Als Sportlerin habe ich jedenfalls die Erfahrung gemacht, dass ich immer dann Unwohlsein verspürt habe, wenn ich Regeln nicht kannte und hab mich aufgeregt, wenn der Kampfrichter mir die Punkte abgezogen hat (so erlebt auf der DM Waldrunde in Friedrichsthal im Jahr 2006). Doch was hatte ich falsch gemacht? Auf die falsche Auflage geschossen, wie ich selbst wenige Tage später beim Blick in die Wettkampfordnung feststellte! Der Fehler ist mir nie wieder passiert.

Aus der Perspektive des BSC Dessau gesprochen, der auf der Delegiertenversammlung des BSSA dafür kritisiert wurde, dass er zu wenige Meisterschaften des BSSA ausrichtet:

Wenn die Mitgliederversammlung des Bogensportclub Dessau e.V. entscheidet, keine Meisterschaft des BSSA, sondern eine des DBSV auszurichten, dann ist diese Entscheidung bindend. Sie ist demokratisch und in einer Abstimmung von über 40 Mitgliedern zustande gekommen. Und ist es dann nicht ein positives Zeichen, wenn sich der Vorstand nicht über den Willen der Mitglieder hinwegsetzt?

Noch einen Schritt weitergegangen: Wenn Mitglieder des BSC- Vorstandes offenen Anfeindungen von bestimmten Präsidiumsmitglieder des BSSA ausgesetzt sind, wird es nicht gerade ihr Engagement fördern, sich für Belange des BSSA in den eigenen Mitgliederversammlungen oder sonstigen Gesprächen innerhalb des Vereins einzusetzen.

Resümierend zur Delegiertenversammlung erklärte der kommissarische BSSA-Präsident am Dienstag, den 05. März 2014 auf der Webseite des BSSA, dass viele Spannungen vermieden werden könnten, würden Sportler und Kampfrichter untereinander direkte und ehrliche Kritik üben. Damit schließt er sich einer Reihe von leider noch zu wenigen Funktionären an, die wieder offen für sportliche Fairness plädieren.

Ich schließe mich den Worten von Hans-Peter Werlen (DBSV-Präsident) und Olaf Plätschke (komm. Präsident des BSSA) an: Es ist ein oberstes sportliches Gebot, fair zueinander zu sein und auch wenn man für sein Gegenüber keine Sympathie empfindet, man muss demjenigen trotzdem den notwendigen Respekt entgegen bringen.

Im sportlichen Sinne

 

Steffi, Bärbel und Siegbert